3 Eine Presseerklärung von Dr. Chellaram am 17.19.

Abgeschobene Hindu-Familie Channa hausiert in Tempelruine - Kinder schwer erkrankt

Der Dachverband der afghanischen Hindus und Sikhs in Deutschland hat heute die Öffentlichkeit alarmiert, dass die am 21.05.2006 von der Ausländerbehörde in Coesfeld (NRW) abgeschobene Hindu-Familie unter lebensbedrohlichen Umständen in einer Tempelruine haust und die drei minderjährigen Kinder schwer erkrankt sind. Der Vorsitzende des Dachverbandes, der Kölner Arzt Chellaram Merzadah, protestierte bereits gegen diese Abschiebe-Aktion. Er hat heute mit Kabul telefoniert und erkundigte sich über den Zustand der deportierten Familie. Die Familie haust in einem 10 qm Zimmer in einer Tempelruine in der Kabuler Altstadt, die Kinder sind schwer erkrankt. Bei der Abschiebung konnte die Familie kein Geld mitnehmen, sie hat auch keine Angehörigen dort. Der Gesamtzustand der Familie ist dramatisch und lebensbedrohlich.

Der Dachverband wirft dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge insbesondere vor, afghanische Hindus und Sikh nicht als verfolgte Gruppe anzuerkennen. Nach gesicherten Erkenntnissen haben die hinduistischen Rückkehrer weder in Kabul noch in anderen Teilen Afghanistans Angehörige und Bekannte, von denen sie Hilfe und Unterstützung erwarten könnten. Die Zwangabgeschobenen bekommen weder staatliche noch nichtstaatliche Hilfe und sind auf sich selbst eingestellt.

Der Vorsitzende des Dachverbandes fordert: „Jetzt soll das Bundesamt uns antworten, wie soll diese abgeschobene Familie ohne Geld und Hilfe in einem fremden Land zu Recht kommen? Wir fragen, welche Organisation hat die Betreuung der Familie übernommen. Wir fragen, wo sind die 1500 €, die jede abgeschobene Familie angeblich vom Bundesamt erhalten soll? Wieso schließt das

Bundesamt seine Augen von der Realität und setzt Leben von Unschuldigen aufs Spiel?“

Die schweren Ausschreitungen in Kabul zu Wochenanfang haben erneut gezeigt, wie dramatisch und hochexplosiv die Lage ist, und wie die ausländischen Truppen von der Bevölkerung als Fremdkörper angesehen werden. Auch die Hindus werden von der moslemischen Bevölkerung als nicht zu tolerierende Ausländer betrachtet, und als „Ungläubige aus Indien“ beschimpft.

Die Hindus und Sikh waren eine kleine ethnische Minderheit in Afghanistan, die überwiegend in Großstädten ansässig gewesen sind. Sie wurden nach der Machtübernahme durch die Mudschaheddin und später durch die Taliban Ziel gerichtet verfolgt und aus dem Land vertrieben. Die Hindus haben keine Lebensgrundlage in Afghanistan mehr, bei Abschiebungen aus Deutschland sind sie in unmittelbarer Lebensgefahr.

Der Dachverband fordert, dass die Bundesregierung der besonderen Situation der Hindus und Sikh Rechnung tragen und unverzüglich einen Abschiebestopp beschließen soll.

Die am 21.05.2006 abgeschobene Familie Channa mit ihren minderjährigen Kindern braucht dringend Hilfe und muss nach Deutschland zurück.

Chellaram Merzadah


Darlaman Ville iin Kabul


8. TUOHAAR

10 Religiöse Minderheiten zum Übertritt gezwungen

11 Der Hinduismus

12 Zentralrat der afghanischen Hindus und Sikhs

13 Philosophie des Glücks

15 Hinduismus (von Roswitha)


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